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 Waldstein
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Der Waldstein



Der Große Waldstein ist mit 877 Metern über NN die höchste Erhebung im nördlichen Fichtelgebirge. Typisch sind langgestreckte Felsburgen aus Kerngranit im Gipfelbereich, die auch Wollsackverwitterungen genannt werden. Es handelt sich um Überreste aus der variskischen Faltung vor mehr als 300 Millionen Jahren.

 

Geschichte

Erstmals taucht die Bezeichnung "cella Waltstein" in einem Verzeichnis des Bischofs Otto von Bamberg auf (1102 - 1139). Damit war vermutlich eine Mönchszelle im nahen Zell am Waldstein gemeint. In einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. von 1170 wird dann ein "Getto von Waltstein" als Zeuge genannt. Er dürfte es gewesen sein, der die erste Burg (Ostburg) am Waldstein erbaute. Sie stand am Fuß des sog. "Schüsselfelsens", der als natürlicher Schutzwall diente.

Die Ritter vom Waldstein kamen nach gängiger Meinung im 12. Jahrhundert als Ministerialen der Markgrafen von Giengen-Vohburg ins Egerland und beteiligten sich dort am Landausbau. Nachdem sie sich am Waldstein festgesetzt hatten, erwarben sie das Münchberger Land sowie einen beträchtlichen Streubesitz, der von Sachsen über Böhmen bis zur Oberpfalz reichte. Um 1200 errichteten sie im nahen Sparneck eine Burg, die zum Stammsitz des gleichnamigen Geschlechtes werden sollte. Erstmals wird dort 1223 ein "Rüdiger von Sparneck" urkundlich erwähnt.


Die Blütezeit der Herren von Sparneck lag zweifellos in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Als prominentester Vertreter der Familie trat dabei Ritter Rüdiger III. in Erscheinung. Er war 1336 Burggraf auf der Kaiserpfalz zu Eger, erbaute eine neue Burg auf dem westlichen Waldsteinfelsen und vermehrte den Sparnecker Besitz erheblich. Rüdiger stellte 1356 den Waldstein unter den Schutz der böhmischen Krone, was ihn vor dem Zugriff der Burggrafen von Nürnberg bewahrte. Seiner Stadt Münchberg verlieh er 1364 das moderne Nürnberger Stadtrecht und legte damit den Grundstein für deren Aufstieg.

Nach Rüdigers Tod begann alsbald der Niedergang der Sparnecker Herrschaft. Münchberg und Weißdorf mussten schon ab 1373 an die Burggrafen verkauft werden. Am Anfang des 16. Jahrhunderts beteiligten sich dann die Sparnecker vom Waldstein an der Fehde des berüchtigten Raubritters Hans Thomas von Absberg gegen die Stadt Nürnberg. Dieser brachte seine Geiseln gerne zum Waldstein, um sie in dem abgelegenen Verlies zu verstecken. Nicht selten hackte er ihnen eine Hand ab, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Im Jahre 1522 lagen drei prominente Geiseln in der "Mordgrube" am Waldstein. Sie konnten jedoch entfliehen und ihr Versteck verraten. Daraufhin rüstete der "Schwäbische Bund" ein gewaltiges Heer aus, das mit 10 000 Mann Fußtruppen, 1000 Reitern, 22 Kanonen, 100 Büchsen und 900 Zentnern Pulver alle Nester ausräuchern sollte, die mit den Raubrittern im Bunde standen.

Route

Der Strafzug des Schwäbischen Bundes erfolgte im Juni und Juli des Jahres 1523. Er wurde als "Fränkischer Krieg" bezeichnet und bestens dokumentiert. Der Kriegsberichterstatter Hans Wandereisen fertigte von 23 brennenden Burgen zwischen Odenwald und Fichtelgebirge naturgetreue Holzschnitte an, die noch heute in der Staatsbibliothek in Bamberg aufbewahrt werden. Die Sparnecker Burgen Waldstein, Sparneck, Weißdorf, Uprode und Gattendorf bildeten offensichtlich einen Schwerpunkt des Feldzuges.


Wandereisen-Holzschnitt von der Zerstörung der Waldsteinburg am 12. Juli 1523


Die Waldsteinburg wurde nicht wieder aufgebaut. Lediglich das Torhaus brachte man im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) noch einmal notdürftig unter Dach, um Signalfeuer geben zu können.Die dabei verwendeten roten Ziegel brachten der Burg später den Namen "Rotes Schloss" ein.

Rotes-Schloss
Ruine des "Roten Schlosses" mit dem Teufelstisch links im Vordergrund


Sehenswert

Nahe der ersten Waldsteinburg (Ostburg) befand sich eine Kapelle, von der heute noch eine Mauer steht. Von hier aus besteigt man den Schüsselfelsen, der einen herrlichen Rundblick über das gesamte Fichtelgebirge bis hin zu Thüringer- und Böhmerwald erlaubt. Als 1851 der bayerische König Max II. seinen Besuch ankündigte, errichtete man auf dem Gipfel einen achteckigen Pavillon. Dafür wurde eine natürliche Verwitterungsmulde, Schüssel genannt, abgemeißelt.

Schuesselpavillon
Schüsselpavillon

Ein einzigartiges Jagddenkmal ist der Bärenfang am Waldstein. Es handelt sich um eine aus Granitquadern gemauerte Bärenfalle, die 1656 erstmals Erwähnung findet. In ihr wurden etwa hundert Jahre lang Bären lebend gefangen. Man brachte sie dann nach Bayreuth, wo die Markgrafen die beliebte Bärenhatz veranstalteten.

Baerenfang
Ein Bär aus Granit nähert sich dem Bärenfang.

Kultur

"Der Citherschläger und das Gaugericht" lautete der Titel des romantischen Schauspiels, das am 23. Juli 1854 erstmals am Waldstein aufgeführt wurde. Damals waren die Ruinen des "Roten Schlosses" der gesellschaftliche Mittelpunkt von Stadt und Landkreis Hof. Auf dem Teufelstisch hatte man einen Pavillon platziert und das "Hospiz Waldstein" errichtet, ein Gebäude im Schweizer Stil an der Stelle des heutigen Waldsteinhauses.

Seit dieser Zeit gibt es die Idee des Theaterspiels vor der imposanten natürlichen Kulisse des Waldsteinfelsens mit der alten Ritterburg. Sie lebte kurzzeitig wieder auf, als die Ortsgruppe Münchberg des Fichtelgebirgsvereins im Jahre 1923 der Zerstörung des Roten Schlosses gedachte.

Im Jahre 1995 schließlich konstituierte sich der Verein "Felsenbühne Waldstein", der 1998 die Festspiele erneut ins Leben rief. Bis heute wurden mit großem Erfolg vier historische Schauspiele aufgeführt, die um die Geschichte und die überaus reiche Sagenwelt des Waldsteins kreisen. Dabei standen jeweils etwa 100 Laienschauspieler auf der Freilichtbühne.

Felsenbuehne
"Das Geheimnis des Waldsteins"

Nicht unerwähnt bleiben darf das Waldsteinhaus, ein Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins. Hier findet der Besucher eine gemütliche Gastronomie mit preiswerter Übernachtungsmöglichkeit vor. Der Waldsteingipfel ist übrigens auch mit dem Automobil bequem zu erreichen.

Hospiz
Das "Hospiz Waldstein" genannte Gasthaus aus dem Jahre 1853.