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Sagen und Mythen

Vielfältig und geheimnisvoll ist die Sagenwelt des Fichtelgebirges.
Wir sammeln die uralten Erzählungen und geben sie weiter.

In der Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, den 12 "Raunächten", ist es bekanntlich "nicht ganz richtig", wie man sagt. Es öffnet sich ein Fenster zur Zwischenwelt, die von Geistern und Dämonen bevölkert wird, und ein Blick in die Zukunft ist möglich.

In dieser Zeit laden wir zur "Sparnecker Raunacht" ein. Dabei werden Sagen erzählt, begleitet von Musik auf alten Instrumenten.

Feilenhauer
Reiter-ohne-Kopf

Der Feilenhauer beim Kartenspiel auf dem Teufelstisch, Der Reiter ohne Kopf. Holzschnitte von Max Escher

Sage: Die Geister auf dem Waldstein

Ein Bauer aus Zell hatte sich bei einem Holzverstrich in Weißenstadt bis gegen Mitternacht aufgehalten. Und obwohl ihm seine Zechgenossen rieten, die Straße zu gehen, nahm er doch den kürzeren Weg über den Waldstein. Als er in die Nähe des Waldhauses kam, hörte er aus dem alten Schloss einen sonderbaren Lärm wie von allerlei Getier. Er war aber ein beherzter Mann, fasste nur seinen Stock ein wenig fester und ging den Weg zum Gemäuer hinauf.

Da sah er schon von weitem im Burghof hellauf ein Feuer brennen und auf dem mächtigen Steinblock, den die Leute den Teufelstisch heißen, hockten vier nackte grässliche Gesellen beisammen, am ganzen Körper lang behaart und mit so hässlichen Fratzengesichtern, dass es dem Bauern eiskalt über den Rücken lief. In ihren langen Krallenfingern hielten sie eiserne Karten, mit denen sie spielten. Und wenn einer ein Blatt davon aufwarf, stieß er einen wilden Schrei aus und grinste dabei die anderen an wie ein rechter Höllenteufel.

Um den Rand des Steinblocks aber ging, jedem scharf in die Karten schauend, der Feilenhauer von Weißdorf, ein kleines, verhutzeltes Männlein mit stechenden Augen - der stärkste Geisterbanner weit und breit. Zuweilen fuhr einer der Unholde auf den anderen los und im Nu hatten sich beide an der Gurgel. Der Feilenhauer aber nahm nur seinen großen Ledersack vom Rücken und rief: "Brüderlein, traut mir nicht! Wenn ihr nicht pariert: Da ist der Sack und dort oben ist die Schüssel. Da hinauf trag ich euch und werf euch ins Geklüft, bis ihr klein beigebt!" Und dann krochen die Ungeheuer mit Knurren und Fauchen auf ihren Platz zurück und hielten sich ruhig.

Einer von ihnen aber nahm hinter dem Rücken seines Herrn und Meisters ein Kartenblatt aus dem Spiel und ließ es schnell zwischen seinen haarigen Beinen verschwinden. Doch schon fuhr der Feilenhauer herum, riss seinen Ledersack auf und schrie: "Ei, du Lumpenhund! Betrügen willst du mich auch noch? Auf der Stelle hinein, du Höllenbatzen!" Da schrumpfte der böse Geist zusehends zusammen und kroch winselnd wie ein Hündchen in den Sack. Die anderen drängten sich scheu zusammen und stierten den Feilenhauer mit erschrockenen Augen an. Der aber schnürte den Sack zu, stülpte die Rockärmel zurück und fasste seinen Stock, als ob er den Gefangenen windelweich hauen wollte.

In diesem Augenblick schlug in Zell die Glocke Eins und mit fürchterlichem Gepolter verschwand der ganze Spuk. Nur das Feuer brannte noch - und vor ihm stand der Feilenhauer, den Sack auf dem Rücken, und blickte über die Glut hinweg dem Bauern Furcht erregend ins Gesicht. Da wurde dem Mann doch noch angst und bange. In langen Sätzen sprang er davon und hielt nicht eher an, als bis er endlich vor seiner Haustüre stand.